Bestand Archiv der MPG, III/063 - Nachlass Ernst Steinmann

Bereich "Identifikation"

Signatur

Archiv der MPG, III/063

Titel

Nachlass Ernst Steinmann

Datum/Laufzeit

  • (1866-1934) (Anlage)

Erschließungsstufe

Bestand

Umfang und Medium

Bereich "Kontext"

Bestandsgeschichte

Wissenschaftliches Mitglied und Direktor der Bibliotheca Hertziana (1914-1934)<br /><br />Veröffentlichung: Berlin 2002<br /><br />Bestandsgeschichte: Die Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut) in Rom übergab im Jahre 1990 ihr sog. Hausarchiv zur dauernden Aufbewahrung an das Archiv zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft, kleinere Ergänzungen folgten 1993 und 1997. Es enthielt neben der eigentlichen Altregistratur des Instituts auch die Nachlässe des ersten Direktors Ernst Steinmann (1866-1934), seiner Frau Olga von Gerstfeldt (1866-1910) sowie der Stifterin Henriette Hertz (1846-1913). Bei der Erschließung galt die Priorität zunächst der Altregistratur der Bibliotheca Hertziana, da diese für die Einrichtung verfilmt wurden. Angehende Diplom-Archivarinnen der Fachhochschule Potsdam verzeichneten im Rahmen ihres Archivpraktikums die umfangsmäßig kleinen Nachlässe von Olga von Gerstfeldt (1992) und Henriette Hertz (2002). Der sehr viel bedeutendere, mit 11 lfd. m und 2001 Bestellnummern umfangreichste Nachlaß von Ernst Steinmann konnte dann in der Zeit von März 1998 bis Februar 2000 von der Kunsthistorikerin Frau Doreen Tesche mit großzügiger Unterstützung durch die Volkswagen-Stiftung im Rahmen ihres Programms "Archive als Fundus der Forschung - Erfassung und Erschließung" fachkundig bearbeitet werden. Dafür sei an dieser Stelle herzlich gedankt.<br />Die Nachlaßbearbeitung erwies sich aufgrund der Heterogenität des die Jahre 1812 bis 1964 umspannenden Materials als interessant, aber - nicht zuletzt wegen früherer Ordnungsversuche in der Bibliotheca Hertziana - auch als schwierig. Originäre Strukturen waren nicht mehr erkennbar; daher wurde bei der Bearbeitung das Ordnungsschema des Archivs für Nachlässe zugrunde gelegt. Der alphabetisch geordnete Briefwechsel mit 1267 Korrespondenzpartnern (Kollegen, Künstlern, Kunsthändlern, Instituten usw.) stellt den umfangreichsten Teil von Steinmanns Papieren dar, neben zahlreichen Arbeitsunterlagen (sachthematisch und chronologisch gegliedert), Manuskripten und Veröffentlichungen sowie einer Anzahl biographischer Dokumente, alle chronologisch geordnet. Die fast 400 Fotos wurden ebenso wie die großformatigen Urkunden und Ehrungen aus lagerungstechnischen Gründen in die VI. bzw. Vc. Abt., Rep. 13 (Nrn. 93 - 97) ausgegliedert, letztere sind jedoch im Repertorium aufgeführt. Enthalten sind neben Steinmanns eigenen Unterlagen auch einige Dokumente seiner Frau Olga v. Gerstfeldt und seiner Schwiegermutter Helene v. Gerstfeldt sowie einige Briefe Dritter an Dritte. Die Verzeichnung des Bestandes erfolgte EDV-gestützt durch ALLEGRO C. Da sich diese Bibliotheks-Software für Archivbelange leider nicht so bewährte, wie zunächst erhofft, entschloß sich das Archiv im Jahre 2000 zum Wechsel auf DACHS A von der Firma DISOS. Alle Allegro-Datensätze wurden in der Folgezeit in die neue Software migriert, so auch die des Nachlasses Steinmann. Dabei nötig gewordene Anpassungen in erheblichem Umfang wurden dankenswerterweise von Herrn Dipl.-Archivar (FH) Dirk Ullmann besorgt, der auch das daraus resultierende, hier vorgelegte Repertorium bearbeitete. Dieses steht nun neben der OPAC-Version allen Archivbenutzern zur Verfügung.<br />Ergänzend zum Nachlaß sei auf folgende Bestände im Archiv zur Geschichte der Max-Planck-Gesellschaft hingewiesen, die weitere Dokumente zu Ernst Steinmann enthalten: I. Abt. Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft: Rep. 1A Institutsbetreuerakten Bibliotheca Hertziana, Rep. 6 Bibliotheca Hertziana; II. Abt. Max-Planck-Gesellschaft: Rep. 1A Personalia Steinmann, Rep. 35 Bibliotheca Hertziana (MPI); III. Abt. Nachlässe: Rep. 34 Werner Hoppenstedt, Rep. 52 Olga v. Gerstfeldt, Rep. 53 Henriette Hertz; IV. Abt., Rep. 1B Baupläne Bibliotheca Hertziana; VI. Abt. Fotos; IX. Abt. Dokumentation, Rep. 1 Steinmann u. Rep. 2 Bibliotheca Hertziana. Darüber hinaus finden sich in folgenden Archiven Steinmannsche Dokumente: Archiv der Bibliotheca Hertziana (Rom), Archiv des Deutschen Historischen Instituts (Rom), Archiv der Biblioteca Apostolica Vaticana (Vatikan-Stadt), Mecklenburgisches Landeshauptarchiv (Schwerin). Die Akten dieser Archive beinhalten im wesentlichen Auszüge seiner Korrespondenz, nur das Archiv der Bibliotheca Hertziana verwahrt überdies einen Teil seiner wissenschaftlichen Arbeit. Dieser betrifft hauptsächlich die kunstgeschichtliche Seite des Palazzo Zuccari und des römischen Forschungsinstitutes, einen Großteil der Unterlagen zu Steinmanns Forschungen über den Kunstraub/Vandalismus Napoleons sowie wenige Dokumente über Michelangelo. Im Gegensatz zur Geschichte ihres Ortes, des Palazzo Zuccari und seiner Ausstattung, ist die Gründungs- und Frühgeschichte der Bibliotheca Hertziana noch keinesfalls hinlänglich erforscht, auch über Steinmann ist bisher kaum gearbeitet worden (vgl. Literaturhinweise auf S. ¢), sieht man von der 1998 von Doreen Tesche angefertigten Dissertation über "Ernst Steinmann und die Gründungsgeschichte der Bibliotheca Hertziana in Rom" ab, die noch im Druck ist. Die Erschließung seines umfangreichen wissenschaftlichen Nachlasses bietet nun die Voraussetzung für weitere Forschungen. Berlin-Dahlem, im März 2002 (Dr. Marion Kazemi)<br /><br />Biographie Ernst Steinmann: von Doreen Tesche STEINMANN, Ernst Theodor Karl, geb. 4.9.1866 Jördenstorf bei Teterow, gest. 23.11.1934 Basel; ev. - Archäologe, Kunsthistoriker. Eltern: Adolf Johann Heinrich Steinmann, geb. 5.3.1818 Bützow, gest. 28.4.1899 Bad Doberan, Theologe (Pastor); 1.) verh. 20.4.1849 Bad Doberan mit Dorothea Sophie Friederike Betty Ritzerow, geb. 26.11.1826 Rostock, gest. 24.4.1879 Jördenstorf; 2.) verh. 6.7.1880 mit Emilie. Ehefrau: Olga Emilie Mathilde von Gerstfeldt, geb. 28.1.1866 Lowicz bei Warschau, gest. 29.4.1910 Rom; verh. 1.6.1901 Rom; Tochter des Generalmajors Philipp Hans Reinhold von Gerstfeldt, geb. 1.2.1831 Reval, gest. 5.1.1882 St. Petersburg; verh. 18.10.1861 mit Helene Emilie von Ovander, geb. 23.1.1837 Oranienbaum, gest. 10.4.1908 Rom. Geschwister: Adolf; Anna; Charlotte; Elisabeth; Magdalene.<br />In Jördenstorf verbrachte Steinmann als Jüngster von sechs Geschwistern seine Jugendjahre. 1880 besuchte er das Progymnasium in Bad Doberan, 1883 wechselte er die Schule und erlangte 1887 seinen Abschluß auf dem Gymnasium von Friedland in Mecklenburg-Strelitz. Nach der Reifeprüfung studierte Steinmann 1888 auf Wunsch des Vaters Theologie an den Universitäten Tübingen und Rostock, folgte jedoch auch seiner persönlichen Neigung und besuchte daher seit dem ersten Semester Vorlesungen in Kunstgeschichte. Noch im selben Jahr wechselte er zur Universität in Leipzig, wo die Lehrfächer Geschichte und christliche Archäologie hinzukamen. Hier machte Steinmann die Bekanntschaft mit dem Historiker Wilhelm Maurenbrecher, dem Archäologen Johannes Overbeck sowie dem Kunsthistoriker Anton Springer, der sein Lehrer und Mentor wurde. 1891 wurde er Assistent von Overbeck am Archäologischen Institut Leipzig, 1892 promovierte er bei diesem mit dem Werk "Die Tituli und die kirchliche Wandmalerei im Abendland vom V. bis zum XI. Jahrhundert". Im Anschluß an die Promotion absolvierte Steinmann eine einjährige Militärzeit, die er im April 1893 mit der Beförderung zum Gefreiten beendete. Im selben Jahr erhielt er von der Zentralkommission des Kaiserlich-Archäologischen Instituts in Berlin ein Stipendium, das ihn nach Rom führte. Ein Jahr später erwarb er das von der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften in Leipzig zuerkannte Springer-Stipendium für Spezialstudien.<br />Mit der Dissertation über die "Tituli" fand Steinmann Zutritt zum Kreis der frühchristlichen Archäologen, dessen bedeutendste Vertreter Giovanni Battista De Rossi und Franz Xaver Kraus in Rom arbeiteten, wo sich auch der Schwerpunkt dieses Wissenschaftszweiges in jenen Jahren befand. Den Kontakt zu den Archäologen, die sich vornehmlich aus Geistlichen zusammensetzten, vermittelte der Domkapitular, Prälat und Kunsthistoriker Friedrich Schneider aus Mainz, der auch sein enger Freund und Vertrauter wurde. Eine weitere intensive Freundschaft entstand zu Eugen Petersen, dem Ersten Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom, den Steinmann wie einen Vater verehrte. 1894 bis 1898 folgten mehrere Studienaufenthalte in Florenz. In dieser Zeit publizierte Steinmann seine ersten kunstgeschichtlichen Aufsätze, die in der Allgemeinen- und Frankfurter Zeitung, in der Kunstchronik oder im Repertorium für Kunstwissenschaft erschienen sowie seine Künstlermonographien "Botticelli" (1897), "Ghirlandaio" (1897) und "Pinturicchio" (1898). Schließlich verlagerte er seinen Studienschwerpunkt auf Michelangelo, über den er fortan zahlreiche Beiträge veröffentlichte und dessen Erforschung er sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte. Steinmanns Monumentalwerk über die "Sixtinische Kapelle" erschien 1901 und 1905 in zwei prachtvoll ausgestatteten Bänden, von denen der zweite ausschließlich Michelangelo und seinen Fresken gewidmet ist. Dieses Werk begründete weltweit Steinmanns Ruf und besitzt noch heute Gültigkeit. Noch vor Vollendung der Arbeit wurde er 1903, protegiert durch Herzog Johann Albrecht, einen Bruder des Großherzogs Friedrich Franz III., vom Großherzog Friedrich Franz IV. zum Direktor des "Großherzoglichen Museums sowie der Großherzoglichen Kunstsammlungen" in Schwerin berufen.<br />Schon seit seiner Kindheit unterhielt Steinmann enge Verbindungen zum mecklenburgischen Adel und dem Fürstenhaus; als junger Schüler verkehrte er bei den Familien von Bernsdorff, von Oertzen, von Goeben, von Maltzan, von Blücher, von Bassewitz, später bei von Soden, von Hardenberg, von Sutterheim u.v.a. Mitglieder der landesherrlichen Familie wurden ihm zu Freunden, vor allem Herzog Johann Albrecht, dessen zweite Ehefrau Elisabeth - Großherzogin von Oldenburg - und die Großherzogin Marie von Schwarzburg-Rudolstadt, dritte Ehefrau von Friedrich Franz II. Als besondere Gunst wurde ihm zugestanden, jährlich mehrere Monate in Rom verbringen zu dürfen, so daß er seinen dortigen Wohnsitz beibehielt. In der Sammlungstätigkeit richtete Steinmann als Museumsdirektor seine Aufmerksamkeit vor allem auf internationale Kunstobjekte. Ein für mecklenburgische Verhältnisse auffallend hoch dotierter Ankaufsetat ermöglichte ihm, neue Maßstäbe zu setzen. In den Jahren 1906 bis 1911 fanden erstmals auch Sonderausstellungen in der Galerie statt, da Steinmann sich gegenüber der ablehnenden Haltung des Großherzogs in dieser Frage durchgesetzt und damit das Museum aus dem Bann der bisherigen höfischen Exklusivität gerissen hatte. Auch in der Schweriner Zeit überwogen seine Arbeiten auf dem Gebiet der italienischen Kunstgeschichte und der Michelangeloforschung. Steinmann beendete 1911 seine Tätigkeit am Großherzoglichen Museum mit einer Ausstellung über den mecklenburgischen Hofmaler der Rokokozeit Georg David Matthieu; den Katalog widmete er Friedrich Franz IV., der ihn bereits 1905 mit dem Professorentitel geehrt hatte.<br />Zu Steinmanns Leistungen gehörte das Erstellen und Neuordnen einer ästhetisch und museal gut aufgearbeiteten Sammlung, doch fühlte er sich mit seiner Museumstätigkeit niemals seelisch verbunden. Vielmehr führte er das Museum nach seinem "inneren Empfinden" in der Art eines Privatgelehrten und empfand deshalb das Amt in erster Linie als eine Behinderung seiner literarischen Tätigkeit. Dies war einer der Gründe, weswegen Steinmann im Herbst 1911 auf den Direktorenposten in Schwerin verzichtete und nach Rom zurückkehrte; ein weiterer Grund war der frühe Tod seiner Gemahlin Olga von Gerstfeldt, die ihm durch ihre künstlerischen und wissenschaftlichen Leistungen als Lebensgefährtin ebenbürtig zur Seite stand. Einige seiner besten Arbeiten entstanden während des einen Jahrzehnts ihres gemeinsamen geistigen Schaffens.<br />1912 wurde Steinmann der erste Direktor der im Januar 1913 eröffneten "Bibliotheca Hertziana" in Rom, die 1914 testamentarisch an die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft fiel und heute zur Max-Planck-Gesellschaft gehört und aufgrund ihrer Doppelfunktion als Spezialbibliothek und Forschungsstätte zur italienischen Kunstgeschichte eine besondere Position besitzt. Steinmann zählte mit Henriette Hertz, der Stifterin und Namensgeberin der Bibliothek, und der gemeinsamen Freundin Frida Mond zu den Mitbegründern des Instituts. Beide Frauen, die er bereits 1894 in Florenz kennengelernt hatte, waren einerseits mütterliche Freundinnen, andererseits übernahmen sie die Rolle von Mentoren. Bereits 1912 gründete Steinmann die Publikationsreihe "Römische Forschungen der Bibliotheca Hertziana", die bis heute fortgesetzt wird. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges folgte 1915 die Schließung der Hertziana, woraufhin Steinmann Rom verlassen mußte und sein Arbeitsfeld nach München und Berlin verlegte; in den Kriegsjahren arbeitete er über den Kunstraub und Vandalismus der Franzosen in Deutschland und Italien. Im Dezember 1919 kehrte er nach Rom zurück, wo er durch seine guten persönlichen Kontakte und seine äußerst diplomatische Natur rasch die Rückgabe der im Krieg beschlagnahmten Bibliotheca Hertziana sowie die Erlaubnis zu deren Wiedereröffnung von der italienischen Regierung erreichen konnte.<br />Neben seiner Tätigkeit als Institutsdirektor widmete Steinmann sich der Sammlung von Michelangelolesca, die er immer als Michelangelo-Bibliothek bezeichnete. Bereits in seinen ersten Forschungsjahren fand er in Michelangelo den "wahren Helden" seines Lebens, dessen tragisch zerspaltene Persönlichkeit ihn ebenso anzog wie sein herausragendes, Malerei, Skulptur, Architektur und Dichtung umfassendes Werk. Mit diesem Künstler fühlte er sich sein ganzes Leben lang seelisch verbunden. In der Michelangeloforschung erzielte Steinmann daher hervorragende Ergebnisse. Seine Publikationen zu diesem Fachgebiet gelten als noch heute unentbehrliche Standardwerke, genannt seien die "Porträtdarstellungen des Michelangelo" (1913), die gemeinsam mit Rudolf Wittkower herausgegebene "Michelangelo Bibliographie" (1927) und "Michelangelo im Spiegel seiner Zeit" (1930). Seine wissenschaftlichen Resultate fanden in italienischen Fachkreisen breite Anerkennung, offenbar stärker als bei den deutschen Fachkollegen; Steinmann erhielt daher in vielen italienischen Akademien und wissenschaftlichen Einrichtungen die Mitglied- bzw. Ehrenmitgliedschaft. Sein zunehmend schlechter werdender Gesundheitszustand zwang ihn ab 1928 zu einem zurückgezogenen Leben. Von diesem Jahr an folgten über mehrere Monate Kuraufenthalte in Bad Mergentheim, Bad Gastein oder Montecatini. Im Oktober 1934 wurde Steinmann emeritiert, im November des Jahres verstarb er in Basel.<br />Steinmann war Forscher und Museumspraktiker, ebenso Schriftsteller, Dichter und Wissenschaftler, und zwar nicht in wechselnden Rollen, sondern zugleich und in einem. Dies begründete seine Ungewöhnlichkeit und vermutlich auch sein "Außenseitertum". Ein wesentliches Charakteristikum seiner Persönlichkeit war seine ausgeprägte Menschlichkeit, seine Anteilnahme an den Geschicken anderer, die Fähigkeit, innige Beziehungen von Mensch zu Mensch zu unterhalten. Seine Grundhaltung war von einem weltoffenen Humanismus bestimmt. Dieses Humanitätsideal, nach dem er sich ausgerichtet, und das er vor allem mit Henriette Hertz geteilt hatte, kam in der Auswahl seiner Forschungsthemen wie auch in seiner Arbeit als Institutsdirektor zum Ausdruck. Geprägt durch sein protestantisches Elternhaus, den konservativen mecklenburgischen Adel und das intellektuelle Großbürgertum, verbunden mit patriotischen Gefühlen für Heimat und Vaterland, war Steinmann eingebettet in die klassische Zeit des 19. Jahrhunderts. Hinzu kamen seine große Liebe zur Natur und sein starker religiöser Glaube. In dieser für ihn "heilen Welt" lebte Steinmann als dichterisch empfindsamer Mensch, als Erzieher und Gelehrter, gewissenhaft und pflichtgetreu. Allerdings blieben ihm in dieser Welt die moderne Kunst und neuere Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts fremd. Sowohl in seinen persönlichen als auch seinen wissenschaftlichen Notizen berücksichtigte er keine der zeitgenössischen künstlerischen Richtungen wie Brücke, Bauhaus oder Kubismus.<br />Der klassischen Tradition verpflichtet, leitete Steinmann die Bibliotheca Hertziana unberührt von modernen geistigen Strömungen, dennoch nahm er regen Anteil an jungen Kunsthistorikern, die sich leidenschaftlich ihrem Fachgebiet widmeten. Die treffliche Auswahl qualifizierter Mitarbeiter am Institut war Steinmanns besonderes Verdienst. Mit großem Geschick zog er die richtigen Mitarbeiter aus dem Nachwuchs der deutschen Kunsthistoriker heran. Die wissenschaftliche und menschliche Ausbildung der jüngeren deutschen Kunstgelehrten betrachtete Steinmann als eine seiner wichtigsten Aufgaben, die er mit Vorträgen, Führungen und Diskussionen erfolgreich bewältigte. Zahlreiche namhafte Vertreter des Faches haben unter der Ägide Steinmanns an der Hertziana gearbeitet, beispielsweise Kurt Gerstenberg, Adolph Goldschmidt, Werner Hager, Jacob Heß, Werner Körte, Richard Krautheimer, Erwin Panofsky, Ludwig Schudt, Fritz Volbach, Aby Warburg oder Heinrich Wölfflin. Das hohe Ansehen, das er der Bibliotheca Hertziana unter den vielen internationalen Forschungsstätten und Akademien Roms verschaffte, ist unter den deutschen Einrichtungen im Ausland ein kostbares Erbe. Steinmann sind Aufbau, Ordnung, Funktion und Weiterführung des Instituts zu verdanken. Er betrachtete diese wissenschaftliche Einrichtung als sein eigentliches Lebenswerk. Die seit ihrer Gründung immer enger mit seiner Persönlichkeit verwachsene Bibliotheca Hertziana wurde durch seine Verdienste im Laufe der Jahre neben den älteren wissenschaftlichen Forschungsstätten in Rom, dem Archäologischen und dem Deutschen Historischen Institut, zu einer gleichberechtigten Institution; heute gehört sie zu den führenden Einrichtungen der Kunstgeschichte in der Welt und genießt unter den deutschen Spezialbibliotheken und -instituten Roms internationales Ansehen und Interesse.<br />Ehrungen (Auswahl): Ehrenmitglied der Accademia di belle arti Perugia, 1903; Ehren-Ritterkreuz 1. Klasse, 1905; Roter Adlerorden 4. Klasse, 1906; Päpstlicher St. Sylvesterorden, 1906; Hausorden der Wendischen Krone, 1911; vatikanische Auszeichnung des "commendatore nobile"; Ehrenmitglied der Accademia di San Luca, Rom, 1925; Ehrenmitglied der Cultori di architettura in Roma, 1927.<br /><br />Literatur: Sign.: D 2071 Bruhns, Leo: Ernst Steinmann (gestorben) : Gedächtnisrede, gehalten am 10. Januar 1935 im Goethesaal des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kunst- und Kulturwissenschaft Bibliotheca Hertziana. - In: Annales institutorum quae provehendis humanioribus disciplinis artibusque colendis a variis in Urbe erecta sunt nationibus ; 6 (1933/34 (1935)), S. 224-235 Sign.: Z 23 - 1952/53 Bruhns, Leo: Ernst Steinmann : 4.9.1866 - 23.11.1934. - In: Mitteilungen / Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften ; (1952/1953) 8, S. 3-6, Portr. Sign.: D 3153 Grafinger, Christine M.: Die Auseinandersetzung um die "Michelangelo-Bibliothek" Ernst Steinmanns in den Jahren 1935-1938 : e. Konflikt zwischen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und der Biblioteca Vaticana und seine Lösung. - In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken ; 72 (1992), S. 438-467, Ill. Sign.: B 570 In memoriam Ernst Steinmann : [Reden, gehalten bei d. Trauerfeier für Ernst Steinmann im Goethesaal d. Kaiser-Wilhelm-Institutes für Kunst- und Kulturwissenschaft, Bibliotheca Hertziana, am 10. Januar 1935]. - [1935] (Leipzig : Poeschel u. Trepte). - 28 S., 2 Ill. Sign.: D 885 Korff, Hans: Ernst Steinmann zum Gedächtnis. - In: Gemeindeblatt der Kirchengemeinde Jördenstorf ; (1937) 9, S. 2-3. Sign.: B 15 324 Laitko, Hubert: Im Bann Michelangelos: Ernst Steinmann und seine Bibliotheca Hertziana in Rom. In: Mecklenburger im Ausland : historische Skizzen zum Leben und Wirken von Mecklenburgern in ihrer Heimat und in der Ferne / hrsg. von Martin Guntau. - Bremen : Ed. Temmen ; (2001), S. 124-131, Ill. Sign.: D 3491 Lehmann-Brockhaus, Otto: Ernst Steinmann: seine Persönlichkeit und die Entstehung der Bibliotheca Hertziana in Rom. - In: Aachener Kunstblätter ; 60 (1994), S. 451-464, Ill.-(Festschrift Hermann Fillitz)<br />Sign.: D 2052 Steinmann, Ulrich: Ernst Steinmann : [4. September 1866 - 23. November 1934]. Bibliographie Steinmann. - In: Mecklenburgische Monatshefte ; 11 (1935) Septemberh., 8 S., Ill., erw. durch eine Ahnentaf. Sign.: D 5327 Tesche, Doreen: Ernst Steinmann (1866-1934). - In: Biographisches Lexikon für Mecklenburg. Bd. 3. Hrsg. von Sabine Pettke. Verlag Schmidt-Römhild Rostock 2001, S. 284-289 Sign.: Z 1 - 1961-2 Bibliotheca Hertziana (Max-Planck-Institut) in Rom / Franz Graf Wolff Metternich ; Karl Noehles ; Ludwig Schudt ; Hildegard Giess. - In: Jahrbuch / Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften ; 1961,2 (1962), S. 62-89, Ill. Sign.: B 30 Glum, Friedrich: Zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik : Erlebtes und Erdachtes in vier Reichen. - Bonn: Bouvier, 1964. - 785 S. Sign.: B 1826 Michelangelo-Bibliographie. - Hildesheim: Olms ; Wiesbaden : Harrassowitz, 1967-1974. - Bd. 1-[2]. 1. 1510-1926 : [Henriette Hertz, Frida Mond in memoriam] / hrsg. von Ernst Steinmann u. Rudolf Wittkower. Mit e. Dokumentenanh. bearb. von Robert Freyhan. - Reprograf. Nachdr. d. Ausg. Leipzig 1927. - Hildesheim: Olms, 1967. - XXII, 523 S. : 7, 22 Taf. (Bibliotheca Hertziana <Roma>: Römische Forschungen ... ; 1) [2]. 1927-1970 : [Erwin Panofsky zum Gedächtnis] / hrsg. von Luitpold Dussler. - Wiesbaden: Harrassowitz, 1974. - X, 292 S. ISBN 3-457-01542-X

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Zuwächse

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    Zitierhinweis: AMPG, III. Abt., Rep. 63 Nachlass Ernst Steinmann, Nr. 1

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    Anmerkung

    Original description: Archivportal-D

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    Bereich "Beschreibungskontrolle"

    Identifikator "Beschreibung"

    iii_063

    Archivcode

    Benutzte Regeln und/oder Konventionen

    Status

    Erschließungstiefe

    Daten der Bestandsbildung, Überprüfung, Löschung/Kassierung

    Sprache(n)

      Schrift(en)

        Quellen

        Anmerkung des Archivars/der Archivarin

        Bereich Zugang